Gemmotherapie 1. Teil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemmotherapie

 

Knospen und die lebendige Kraft der Bäume Teil 1

 

 

Beschreibung von Andrea Illguth Kräuterpädagogin

 

 

Gemmo ist das lateinische Wort für Knospe. Knospen konzentrieren die vitale Lebenskraft der Pflanze in sich. Sie bestehen aus Embryonalgewebe, das in seiner vollen  Entwicklungsphase steht. Die Zellen teilen sich in diesem Gewebe sehr schnell, die Lebens- und Wachstumskräfte sind im zeitigen Frühjahr am höchsten. Daneben enthält das Embryonalgewebe viele aktive Stoffe, die im weiteren jahreszeitlichen Wachstum der Pflanze nicht mehr vorhanden sind. Die Gemmotherapie geht davon aus, dass das Mazerat aus dem Embryonalgewebe dem Menschen vitalisiert und die Regenerations- und Heilungskräfte anregen kann.

 

Gemmotherapie ist eine Methode bei der Heilmittel aus frischen Pflanzenteilen gewonnen und eingesetzt werden. Aus wachsenden Triebspitzen, keimenden Sprossen oder aufgehender Blätter, die über ähnliche wohltuende Kräfte und Wirkungen wie die Knospen verfügen.

 

Das Wissen um das Heilen mit dem Lebendigen der Bäume ist sehr alt und reicht über die Kulturgeschichte der Menschen zurück in die Tierwelt. Kranke Tiere nutzen instinktiv die heilende Wirkung der Knospen. Sie stärkten sich gezielt mit Holler, Esche oder Ahorn. Seit 8000 Jahren nutzten Menschen und Tier sie als Kraftnahrung, Energielieferant und Naturmedizin.

 

Hildegard von Bingen linderte mit Apfelknospen Kopfschmerzen. Der griechische Arzt Galan von Pergamon heilte mit Schwarzpappelknospen Verbrennungen und der römische Gelehrte Plinius setzte Granatapfelknospen als Allheilmittel gegen Wunden und Schmerzen ein.

 

Dieses Wissen ist in Vergessenheit geraten. Die moderne Kräuterkunde konzentriert sich mehr auf den Wirkstoffgehalt und weniger auf die Lebendigkeit der Pflanze.

 

Wiederentdeckung

 

Wir Verdanken dem belgischen Arzt Dr. Henry Pol die Wiederentdeckung der Knospenkräfte. Seine Therapie wurde vor 50 Jahren in Frankreich aufgenommen und fand Eingang in das französische Arzneibuch. In Frankreich ist diese Therapieform sehr bekannt und die Gemmomittel werden dort viel verwendet. Die Gemmotherapie ist eine auf wissenschaftlichen Grundlagen basierende Methode. Sie ist sehr gut zur Selbstanwendung geeignet.

 

Unterschied zwischen Gemmo- und Phytotherapie

 

Die Gemmotherapie gehört zur Pflanzenheilkunde. Sie setzt aber einen anderen Wirkmechanismus in Gang. In der klassischen Phytotherapie = Pflanzenmedizin, wobei die Pflanze als Ganzes verwendet wird und wissenschaftlich anerkannt und erforscht ist. Zum Beispiel Spitzwegerich bei Husten. Die Heilpflanze erzeugt auf der Basis ihrer Innhaltstoffe gegen bestimmte pathologische Zustände ihre Wirkung. Sie wirkt konkret auf bestimmte Organe. In der Knospenmedizin wird die zelluläre Ebene im Körper angesprochen. Über sie laufen alle Wachstums- und Reparaturmechanismen im Körper.

 

Gemmo Arzneien setzen dort an, wo das Leben entsteht, sie sprechen mit der „Proteinsprache“ unserer Zellen.

 

Knospen und Sprossen sind die teilungsaktivsten Bestandteile in den Pflanzen

 

Embryonales Gewebe ist jung, gesund und vital. Es hat ein enormes Teilungs- und Wachstumspotential. Die teilungsaktiven Zellverbände enthalten das komplette genetische Programm einer Pflanze. Das heißt, in ihnen ist die gesamte Information einer Pflanze enthalten. Um sich vor Fehlern im Teilungsprozess zu schützen, bedient sich das Embryonalgewebe bestimmter Phytoproteinen. Die Knospen sind reich an Enzymen, Eiweißstoffen und Wachstumshormonen. Das sind unter anderem Auxine, sie fördern das Streckwachstum und wehren krankmachende Einflüsse, wie Pilze, Bakterien und Viren ab. Eine weitere Gruppe sind Gibberlelline, deren wesentliche Aufgabe darin besteht, Fehlentwicklungen z.B. Zwergwuchs in der Pflanze zu verhindern.

 

Es ist ein Gesetz der Natur: Wachstum ist ein „Sich-dem-Leben-zuwenden“. Darum wirkt Embryonales Gewebe gesundheitsfördernd und selbst kleine Mengen sind positiv für den Körper.

 

                                  Sammeln von Knospen und jungen Pflanzenteilen

 

Von einem Ast dürfen nicht alle Knospen radikal entfernt werden. Er stirbt sonst ab. Man nimmt von jedem Ast lediglich ein paar. Nur so viel sammeln, wie man tatsächlich braucht.

 

Man braucht tatsächlich sehr wenig, eine Knospe stärkt bereits den Körper. Ein TL gesammelte Knospen ist ausreichend um Auszüge herzustellen.

 

Richtwert beim Sammeln: Äpfel sammelt man in Kübel, Kräuter im Korb, Knospen im Fingerhut!

 

Alle Pflanzenteile im noch jungen Zustand und vor ihrer vollen Reife sammeln, Knospen sollten leicht geöffnet sein. Nach dem Erreichen der Vollreife oder wenn die Knospe ganz geöffnet ist, verringert sich die Menge an vitalen Inhaltsstoffen und der Abbauprozess beginnt.

 

Keiner sollte sehen, dass an dieser Pflanze gesammelt wurde.

 

Vermeiden sie das Sammeln in der Nähe von bewirtschafteten Feldern und befahrenen Straßen.

 

Im Rhythmus der Natur sammeln: Oberirdische Teile sammelt man bei Vollmond, die Kraft geht nach oben und/oder sonnigen Tagen.

 

Unterirdische Teile sammelt man bei Neumond, die Kraft geht in die Wurzel. Man gräbt Wurzeln im Herbst.

 

Das wichtigste Gebot! Es wird nur gesammelt was man eindeutig bestimmen kann!