Es lodern die Johannifeuer - mit Rezept für ein Sonnenrad Fladenbrot

 

Sommer Sonnwende, Johannikräuter und  Brauchtum aus dem Chiemgau

 

 

 

Übern Kopf, untern Kopf, dua i mei Hiadl schwinga,

 

Deandl, wannst mi gern willst ham,

 

tuast mit mir durchs Feuer springa!

 

 

 

Sobald die lodernden Flammen des Johannifeuers ein wenig  herabgebrannt waren, reihten sich die Paare für den vielversprechenden Sprung über das glühende Hindernis auf. In die Hand des Burschen,  schob sich die zierliche Hand des Dirndls. Mit Anlauf und guten Willen, sprangen beide  so übers Feuer. Freilich gab es kein geschriebenes Gesetz dafür, doch beide wussten ganz genau, dieser gemeinsame Akt verbindet sie fest, zumindest für ein ganzes Jahr. Voller Zuversicht, durch dieses Ritual die Liebe zu segnen und die Zuneigung zu stärken.

 

Je größer der Holzstoß für das Feuer am 24. Juni ausfiel umso besser war es! Immerhin soll die Kraft der Sonne, welche zu diesem Zeitpunkt am Zenit steht, dadurch verstärkt werden, um Böses von Mensch und Tier fernzuhalten. Das  Holzbetteln vor dem großen Ereignis machte mindesten genauso viel Spaß, wie das finale Entzünden des Feuers selbst,  gehörte zum Brauchtum dazu und die Burschen freuten sich mit dabei zu sein. Vor allem gab es nicht so viele Möglichkeiten für ein Freizeitangebot wie heut, solche Höhepunkte im Jahr waren eine willkommene Abwechslung gegenüber dem oft sehr beschwerlichen Arbeitstaltag. Umso  sehnlicher erwartet, intensiver empfunden, mit vielen Wünschen sowie Hoffnungen verknüpft, stellten die immer wiederkehrenden Jahresfeste mit ihren  uralten Ritualen einen festen Bestandteil im Leben der Menschen da. Einstudierte Verse sollten den Bauern überzeugen Holz zu spenden, so zogen die Feuerwächter von Hof zu Hof. Ein imposanter Stoß, an einem prominenten Orte aufgerichtet, zeugte  dann von den Überredungskünsten der Burschen und von der Großzügigkeit der Bauern.

 

Das alles wird heute nicht mehr gelebt, doch wenn der längste Tag auf die kürzeste Nacht trifft, lodern auch heute noch die Feuer, sowie die Bergfeuer imposant auf.  Nicht nur die Fruchtbarkeit der Erde wurde mit diesem Ritual gedankt, in dieser Nacht soll auch der Schleier zwischen der Realität zu der anderen Welt hauchdünn sein.  Wie bei den Raunächten,  wird orakelt, um Gesundheit gebeten, im Rauch Reinigungen für Körper und Seele vollzogen, die Jugend trifft sich und es darf geflirtet werden.  Johanniskräuter wurden und werden in diesen kraftvollen Sonnentagen gesammelt, ins Feuer geworfen, für die Hausapotheke und fürs Räuchern getrocknet, dann sorgsam verstaut, um für Notzeiten gewappnet zu sein.

 

Sogar von bäuerlicher Selbstjustiz ist die Rede, ein Haberfeldtreiben ohnegleichen, denn bis zur Jahrhundertwende wurde im Feuerschein ein Schandgericht gehalten. Die schlampige Dirn, der faule Knecht, auch die geizige Bäuerin oder der verschwenderische Bauer, alle bekamen in Reimform ihr Fett weg. Kein Wunder, dass der eine oder andere erst gar nicht zum Feuerfest erschien und froh, wenn der Spuk vorüber war.

 

Der Tag war auch ein Wunschtag, die Mädchen flochten Kränze aus Johannikräuter. Mit einem geheimen Traum verknüpft, ins Feuer geworfen, sollte dieser sehnliche Wunsch  wahr werden.  

 

Die Jungs hingegen kamen mit Scheiben aus ausgedienten Pflug- und Wagenrädern, welche mit Stroh durchflochten und angezündet wurden, daher. Sie schubsten die Feuerscheibe den Berg hinunter. Dieser Brauch hat heidnischen Ursprung und symbolisiert Wotans Sonnenrad. Erlosch die brennende Scheibe noch währen des Fluges war das kein gutes Zeichen. Die Jugend hatte hierbei andere Anliegen an die Aussagen des Sonnenrads als die Eltern und Großeltern.

 

Zwei alte Sprüchlein drücken dies deutliche aus:

 

Liebe Scheim, i dua die treim

 

zu Ehren der Herzallerliebsten mein.

 

Liabe Scheim, fliag mit an Gruaß in d´Nacht, wo mei herzliabs Dirndl wacht.

 

***

 

De Scheim in meiner Hand

 

i schlag sie weit hinaus ins Land,

 

dass Fried und gute Erntezeit,

 

der Herrgott heuer uns verleiht.

 

 

 

Die Sommersonnwende findet am 20.- oder 21. Juni statt, die Sonner erreicht zur Mittagszeit ihren höchsten Stand am Horizont. Am 24. Juni, dem Namenstag von Johannes dem Täufer, züngelten später dann die christlichen Feuer, anstelle der archaischen Sonnwendrituale. Dem heiligen Johannis verdanken die  Johanniskräuter seinen Namen. Die Sonne steht jetzt am Zenit, auch die Pflanzen strotzen in voller Blüh- und Heilkraft. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Kraft eine Wende. Unmerklich geht die Energie in Richtung Samen- und Fruchtbildung. Die Tage werden schon wieder kürzer, ein Hauch von Vergänglichkeit liegt in der Luft. Dem gegenüber steht die Wintersonnwende, am 21. – oder 22. Dezember, die geringste Mittagshöhe über dem Horizont ist erreicht. Unsere Vorfahren zelebrierten zu diesem Zeitpunkt das Julfest, ein wichtiges Sonnenfest für sie. In ihrer Vorstellung wurde das Sonnenkind geboren, der Goldborstige Eber  setzte zum Sprung an, um das Sonnenrad wieder anzutreiben. Und tatsächlich, die Tage werden ab der Wintersonnwende wieder stetig länger. Winter steht für das Sterben, aber auch für die  Klarheit, Licht am Ende des Tunnels ist wieder in Sicht. Die Samen des Vergangenen Herbst liegen bereit, neues Leben wird bald im Schoß der Mutter Erde entstehen.  

 

Johannikräuter und ihre Bedeutung

 

 

 

 Baldrian (Valeriana officinalis)

 

Unsere Vorfahren hatten den Baldrian unter vielerlei Aspekten im Blick. Heute vergessen, deutet der Name Augenwurzel, auf die volkstümliche Verwendung für die Verbesserung der Sehkraft, sowie zu allgemein Stärkung der Augen hin.  So soll Baldrian auch das innere Auge, für mehr Intuition, sowie der Wahrnehmung öffnen. Sehr stark war früher die Bindung zur Magie, der Name Hexenwurzel, rührt daher, dass man ihr eine starke Schutzwirkung zur Abwehr böser Kräfte zuwies. Der alte Spruch: „Baldrian, Dost und Dill, da kann die Hexe nit, wie sie will,“ spricht Bände.

 

Eisenkraut (Verbenaceae)

 

Eisenkraut soll den Geist klar halten, vor allem war es das Kraut der Schmiede, wurde in das Löschwasser beigefügt, um besonders gehärtete Waffen zu erhalten.

 

Beifuß (Artemisia vulgaris)

 

Er ist eine alte Heil- Schutz- und Zauberpflanze, beim Sonnwendfeuer durfte er als Gürtel geflochten, nicht fehlen. Sein alter Name „Machtwurz“, soll den neuen Abschnitt beim Übergang eines neuen Jahreszyklus begleiten.

 

Gundelrebe (Glechoma hederacea)

 

Die Kultpflanze der Kelten und der Germanen schlecht hin, mit starken Wachstumskräften des Frühlings verbunden. Mit Kränzen im Haar wollte man so die Kraft des Frühlings aufnehmen. In der 9 Kräutersuppe mit eingebunden, dank ihrer blutreinigenden Wirkung, verhalf diese wieder zu mehr Lebensenergie, nach den dunklen, entbehrungsreichen Wintermonaten.

 

Schafgarbe (Achillea millefolium)

 

Mit ihren vielen heilenden Inhaltsstoffen war die Schafgarbe Teil jener Kräuter, welche in der Hausapotheke nicht fehlen durfte. Sogar die Pflanzen um Achillea herum gibt sie Kraft. Daher ihr Name, „Krankenschwester der Felder.“

 

Ringelblume (Calendula officinalis)

 

Heiter strahlt sie, die Goldblume. Ein trauriges Herz, fühlt sich von ihr liebevoll unterstützt. Die Blume hat Wundheilungskräfte, wirkt antibakteriell, fungizid-, sowie  entzündungshemmend. Ein Stückchen Wurzel in lila Stoff gehüllt, soll einen unwiderstehlich erscheinen lassen.

 

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

 

Eng mit der Sommersonnwende verknüpft ist das Johanniskraut, es markiert den Höhepunkt der Lichtkraft. Zur Wintersonnwende, symbolisiert das Sonnenkraut den Sieg des Lichts, gegenüber der Dunkelheit und leitet uns sanft in die hellere Jahreshälfte hinüber. Die Aufhellung gegenüber einer trüben Stimmung ist keine neue Entdeckung, sondern schon unseren Ahnen bekannt.

 

Rezept:

 

Sonnwendscheibe - Fladenbrot mit Sonnenkräutern

 

500 g Weizenmehl, 200 g saure Sahne, 70 ml Wasser, 4 El Olivenöl, 2 EL Honig, 2 Zehen Knoblauch, 3 g Salz, circa 15 g frischen Hefe. Kräuter aus dem Garten oder Wildkräuter, die Sie ganz sicher kennen.

 

Das Mehl in eine Schüssel geben, eine Mulde hineindrücken, die Hefe hineinbröseln, den Honig darüber laufen lassen. Den Knoblauch fein hineinreiben. Die   restlichen Zutaten am Rand der Schüssel verteilen, sobald sich die Hefe aufgelöst hat, alle Zutaten kräftig miteinander verrühren. Den Teig circa eine Stunde gehen lassen.

 

Butterschmalz in einer großen runden Pfanne erhitzen. Den Teig in zwei Teile schneiden, zu einer Kugel formen und dann in Hartweizengries zu einer runden Scheibe ausrollen. Beide Teiglinge in reichlich Butterschmalz ausbacken. Die gesammelten Kräuter klein schneiden und großzügig über das warme Brot mit etwas groben Salz und Schwarzkümmel garnieren.