Von der Blüte bis zum Samenkorn - raffinierte Pflanzenwelt

 

 

Beschreibung : Ackerschachtelhalm

 

 

 

„Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, fehlt es dir an nichts.„ So heißt es in einem alten Zitat von Marcus Tullius Cicero, 106 v.Ch. Der Philosoph, Schriftsteller und Anwalt, war einst der bedeutendste Redner Roms. Seine Schriften sind sehr wertvolle historische Dokumente, seine Briefe liefern uns wichtige Einblicke in das antike Leben der  Menschen.

 

Die Notwendigkeit zur Selbstversorgung zwang unserer Vorfahren, in der Nähe ihrer Behausung,  Land  abzugrenzen. Der einst praktische Hintergedanke eines Nutzgartens löste später dann den Wunsch ab, die Behausung, sowie die Umgebung zu verschönern. Die ersten prächtigen Gärten entstanden in früheren Kulturen im Nahen Osten 1200 – 800 v. Chr.

 

Allerdings sahen die frühen angelegten Gartenlandschaften anders als die heutigen aus. Mesobotanische Herrscher waren wohl die ersten Gartenliebhaber, dort befanden sich auch die Hängenden Gärten von Babylon. Die exotischen Pflanzen und Bäume, aus den Feldzügen mit in die Heimat verfrachtet, versorgten aufwändige steinerne Bewässerungssysteme. Die alten Ägypter verfolgten zum einen weltliche, als auch religiöse Zwecke mit ihren Anlagen. Oft wurden in ihren Tempeln Gemüse angebaut, sowie Kräuter und Pflanzen für Rituale, Heilzwecke, sowie um zu Schmücken. Die alten griechischen Hausgärten dienten hauptsächlich religiösen Zwecken. Im alten Rom erhielt der Gartenbau dann nochmal richtigen Aufschwung, ganz im Sinne persischer und ägyptischer Gartenkunst als Vorbild, etablierte sich diese Orte als ein Raum um zu  Entspannen  und zum Lustwandeln.

 

Duftvielfalt, Farbenpracht, gepaart mit guter Luft und Artenreichtum , entzückt uns modernen Menschen auch heute noch. Vor allem die Blütenvielfalt hat es vielen angetan, wenn dann noch olofaktorische Aspekte hinzukommen, sind unserer Sinne im Freudentaumel.

 

Ist eine Blütenpflanze bereit zu Vermehrung, entwickelt sie im Frühjahr oder Frühsommer Blüten, das ist bereits die erste Phase der Fruchtbildung. Nun beginnt das Warten auf Bestäubung, landet dann ein Pollenkorn einer selben Art auf der Narbe, entwickelt sich ein Pollenschlauch, der durch den ganzen Griffel bis zum Fruchtknoten wächst. Ein Tunnel, der den Spermien den Weg  zu den Samenanlagen, ganz unten im Blütenboden, ebnet, um dort mit dem Nucellus (Samenanlage) zu verschmelzen. Für die Blüte bedeutet dieser Akt das Ende. Für die Frucht ist es der Beginn! Denn nur so können sich die Samenanlagen in Samen und die Fruchtknoten in Früchte verwandeln.  

 

Ganz spannend ist die Anatomie der Früchte. Wussten Sie, dass eine Gurke eine Beere ist, die Erdbeere hingegen nicht?

 

Wie gesagt die Erdbeere ist keine Beere, sondern eine Nuss, eine sogenannte Sammelnussfrucht. Denn die eigentlichen Früchte befinden sich auf ihrer Oberfläche. Das rote Fruchtfleisch nur der Fruchtboden, die tatsächliche Frucht, die kleinen gelben dicht an dicht aneinandergereihten Nüsschen.

 

Die Einteilung orientiert sich an einigen Merkmalen.  Wir sprechen hier von Scheinfrüchten, wie die Hagebutte, Sammelsteinfrüchten wie die Himbeere, Schoten Früchte bei der Knoblauchrauke, Nuss Früchtchen bei der Haselnuss und Streufrüchten bildet der Storchenschnabel aus, um hier nur einen kleinen Ausschnitt der Vielfalt zu erwähn.

 

Alle Früchte haben sich spezialisiert. Die Trockenfrüchte sind dem Wind verschrieben, um mit ihm in alle vier Himmelsrichtungen fortgetragen zu werden. Tierfell, kommt den mit kleinen Kletthärchen ausgestatteten Samenfrüchten gelegen, um von Ort zu Ort transportiert zu werden. Saftfrüchte fallen, dank ihres guten Geschmacks, oft Tieren zum Opfer, der Deal, die Samenverbreitung. Besonders in den Mägen der Zugvögel lässt es sich besonders erfolgreich reisen,  da so große Strecken zurücklegt werden können. Auch die Ausbreitung durch Vergesslichkeit ist nicht zu unterschätzen. Die Rede ist vom Eichhörnchen, sie vergraben Eicheln in ihrem Depot, oft wird die Winterration nicht abgeholt oder einfach vergessen und macht so den Nager zum Gärtner. Abnabelung von den Eltern ist manchmal schmerzhaft für beide Seiten, jedoch sehr wichtig. Vor allem Für Bäume, da sie sonst auf zu engem Raum wachsen. Der Ahornsamen fliegt daher seinen Eltern regelrecht davon. Genauso die Nachkommen des Löwenzahns, ausgestattet mit dessen Schirmchen, segelt der Samen so kilometerweit durch die Luft, um den Wirkungskreis zu vergrößern. Nicht passiv sein, sondern explosiv, lautet die Devise vieler Arten. Hierbei schleudert die Mutterpflanze ihre Nachkömmlinge einfach weit von sich, nicht aus Bösartigkeit, sondern mit der Hoffnung auf weniger dicht bewachsenes Territorium. Aufgestauter Druck löst meistens diesen praktischen Mechanismus aus. Andere wiederum locken Ameisen an, versehen ihre Samen mit besonderen Leckerbissen. Dann wiederum gibt es Eltern, die nicht loslassen können und ihre Sämchen erst nach extremen Ereignissen, wie nach einem Feuer freigeben. Glockenblumen, Hängebirken, vor allem Arten in Wasserreichen Gebieten vertrauen ihre Nachkommen dem Wasser an.  Die Trickkiste der Fortpflanzung ist schier unerschöpflich. So auch beim Schachtelhalm.

 

 

Acker- Schachtelhalm (Equisetum arvense) Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)

 

 

Schachtelhalme, Farne und Bärlappgewächse bedeckten einst als erste Pflanzen den Planeten Erde. Bis zu 30 Meter ragten die Giganten in den Himmel. Ein Zeuge aus dieser Zeit ist der Acker- Schachtelhalm, ein Rhizom-Geophyt. Seine Besonderheit ist seine Fortpflanzung. Vielleicht sind Ihnen schon mal im Frühjahr, bevorzugt  an Ackerfurchen, sein Ährensprosse aufgefallen. Wie lange weiße Schwammerl sehen sie fast aus, ohne Chlorophyll, denn das braucht diese Vorhut nicht. Sie ist ausschließlich dazu da, um Sporen durch den Wind zu verbreiten.  Der Spross zieht ein und im Frühsommer wächst dann der Schachtelhalm nach. Bis zu 50 cm hoch kann die Pflanze werden, die drahtigen Blätter stehen vom Stängel ab, der Name Schachtelhalm kommt daher, weil sich die Stängelglieder leicht wie aufeinandergestapelte Schachteln abziehen lassen. Der Lateinische Name Equiste, was so viel wie Pferdeschwanz bedeutet, weist auf den Wuchs in Wedelform hin. Diese Pflanze beschränkt sich in ihrer Form wirklich nur auf das Notwendigste – die Struktur und das Gerüst, in Skeletform. Der Kieselsäureanteil im Zinnkraut ist sehr hoch, die Pflanze wird gerne so genannt, weil sie früher zum  Polieren von Zinngefäßen verwendet wurde.  Beim Kauen hinterlässt sie deshalb ein knirschendes Geräusch. Unseren Körper strukturiert unsere Wirbelsäure und unser Bindegewebe, die Skelett Signatur der Pflanze weist auf ihre Verwendung diesbezüglich hin, denn Kieselsäure stärkt genau diese Organe und Bereiche. Auch entgiftende und reinigende Wirkungen werden dem Zinnkraut nachgesagt. Strukturierung bietet die Pflanze nicht nur auf körperlicher Ebene an, sondern auch für unserer Gedanken und unser Leben. Genauso wie das Kraut selbst extrem biegsam ist, so es uns helfen nicht in starren Strukturen zu verharren und Offenheit und Flexibilität zuzulassen.

 

Vorsicht!!! Das Kraut ist leicht mit dem Sumpf- Schachtelhalm zu verwechseln und dieser ist giftig. Da es Acker- Schachtelhalm in der Apotheke gibt, empfiehlt es sich das Präparat dort zu kaufen.