Von Zauber- und Hexenpflanzen

 

 

Die wohl berühmteste Giftpflanze der Welt umgibt eine magische Aura, die Tollkirsche. Ihre tiefschwarzen Beeren sind hoch giftig, gefolgt von allen anderen Bestandteilen des geheimnisvollen Strauches aus der Familie der Nachtschattengewächse. Der Name hat nichts damit zu tun, dass die Pflanzen die in dieser Familie vorkommen, besonders den Schatten bevorzugen bzw. in der Nacht erblühen. Viel mehr bedeutet in diesem Sinne die Nacht, dass sich der Geist umnachtet, wenn man von diesen Pflanzen kostet. Auch die Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Chili gehören dieser Familie an, beim Verzehr dieser Kandidaten, haben wir wie bekannt, nichts zu befürchten. Zu den mystisch umwobenen Zauberpflanzen dieser Familie gehören auch Bilsenkraut, Stechapfel, Bittersüßer Nachtschatten und die Tollkirsche. Es wäre ein Leichtes auf die Kultivierung einer Atropa belladonna zu verzichten, wären da nicht die wunderschönen,  bräunlichen dunklen Blütenglocken und die dekorativen, ovalen Laubblätter.  Wer einen extravaganten Stil in der Gartengestaltung nachkommen möchte, lässt sich vom Giftgehalt der Schwarzen Tollkirsche nicht abschrecken. Allerdings dürfen sich dann keine kleinen Kinder und Haustiere im Garten aufhalten. Dennoch sollten Kinder generell über Giftpflanzen aufgeklärt werden, das ist die beste Methode sie vor Vergiftungen zu schützen. Eine Frucht kann nämlich für ein Kind tödliche sein. Die ganze Pflanze und ihre tiefschwarzen Kirschen üben eine große Anziehungskraft aus. Selbst jemand, der sich von Pflanzen nicht so angezogen fühlt, wird das nicht leugnen können.

 

Pflanzenbeschreibung:

 

Tollkirsche (Atropa belladonna), Nachtschattengewächse (Solanaceae)

 

Wissenswertes:

 

In  der Homöopathie wird Belladonna bei Fieber eingenommen. Die Gabe der Globuli erleichtert auch die Atmung bei Asthma und krampfartigem Husten, bei anderen Krämpfen und Neuralgien. Atropin wird in der Augenheilkunde bei bestimmten Untersuchungen in das Auge geträufelt damit sich die Pupillen stark erweitern.

 

Schon bereits sehr früh nutzten Frauen die Wirkung des Saftes der Tollkirsche um für Männer attraktiv zu sein.  Sie tropften sich  diesen ins Auge um schöne große Pupillen und glänzende Augen zu bekommen. Daher kommt der Name Belladonna, schöne Frau.   

 

Ein anderer Name für die schwarze verführerisch aussehende Kirsche ist Wutbeere. Menschen, die von der giftigen Frucht essen, werden erst euphorisch und überschwänglich. Dieser Gefühlszustand schlägt dann aber sehr schnell in Tobsuchtsanfälle und Wutausbrüche um.

 

Die Vergiftungserscheinungen durch den Genuss von Tollkirschen, aber auch der Blüten und Blätter führt zu Mundtrockenheit und Herzrasen. Unruhe, Schlaflosigkeit und Schluckbeschwerden sind ebenfalls die Folge. Der Vergiftete halluziniert. Tiefer Schlaf ist lebensbedrohlich, da dieser erst in eine Bewusstlosigkeit übergeht und dann den Tod bedeuten kann. Bei einem Erwachsenen sollen drei Tollkirschen die tödliche Dosis sein.  

 

 

 

 

 

Erkennungsmerkmale :

 

Die Tollkirsche ist eine mehrjährige Pflanze. Sie treibt mit einem kräftigen Stängel aus, der sich immer weiter sparrig verzweigt. Die Blätter sind eiförmig. je ein kleines Blatt steht einem größeren Blatt gegenüber. Im Sommer erscheinen bräunliche Blüten.

 

Die Blüten entwickeln sich zu schwarzen, glänzenden Früchten, die viele Samen enthalten. Die Früchte schmecken süß-bitter und enthalten, wie auch alle anderen Pflanzenteile, viele giftige Alkaloide.

 

Neben dem Gefleckten Schierling, dem Seidelbast und dem Blauen Eisenhut ist sie die bekannteste Giftpflanze Europas.

 

 

 

Inhaltsstoffe:

 

Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin, alles Alkaloide

 

 

 

 

 

 Hexen und ihre Flugsalbe

 

Im Mittelalter begann eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte: die Zeit der Hexenverfolgung! Niemand war sicher, jeder konnte in den Verdacht geraten, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Zehntausende kamen wegen Zauberei vor Gericht und wurden zum Tode verurteilt. Heinrich Kramer(1430–1505), ein Mönch aus dem Elsas, trug unermüdlich zur Hexenverfolgung bei. Er schrieb im Jahr 1486 ein Buch, "Malleus Maleficarum" - der "Hexenhammer".

 

Für die Menschen damals stand fest, dass es Männer und Frauen gab, die zaubern können. Starb einem Bauern die Kuh, glaubte er, jemand habe ihn verflucht. Ging die Ernte durch schlechte Witterung verloren, suchte man einen Schuldigen und glaubte, er habe einen „Schadenszauber“ angewandt.

 

Lesen und Schreiben konnten die wenigsten, woher sollten sie es auch besser wissen. Naturwissenschaften steckten noch in den Kinderschuhen, niemand ahnte, dass Krankheiten durch Viren oder Bakterien hervorgerufen werden.

 

Als Hexen wurden Frauen bezeichnet die sich mit der Natur und den Pflanzen sehr gut auskannten oder als Hebammen helfen wollten. Oft waren es kluge Frauen, die nicht dem Bilde der damaligen Zeit entsprachen.

 

Ob wahr oder nur ein Märchen, da scheiden sich die Geister. Die Rede ist von der mystischen Flugsalbe. Aus Giftpflanzen wie der Tollkirsche, Alraunen, Bilsenkraut usw. stellten die „Hexen“  Zaubersalben her.

 

Diese wurde auf empfindliche Stellen der Haut, wie Armbeuge und Stirn aufgetragen. Damit rieben sich die „Hexen“ ein. Die Haut soll taub und kribbelig geworden sein. Angeblich hatte man dadurch das Gefühl  zu fliegen und in eine andere Bewusstseinsebene zu gelangen. Daher der Name Flugsalbe

 

Friedrich Spee, ein Priester, Professor und Hexenwahngegner, schimpfte über die Richter. Sie sprechen Recht, bzw. Unrecht, gegen jede Vernunft, meist sogar ohne jegliche Beweise, ihr Urteil. 

 

Der Kampf gegen den Aberglauben setzte sich allerdings nur langsam durch und so musste Anna Gölding als letzte Hexe Europas 1782 sterben.