Die Erntezeit, Maria Himmelfahrt und die fleißigen Arntleut Pflanzenbeschreibung: Beifuß

 

 

Die Erntezeit, Maria Himmelfahrt und die fleißigen Arntleut

 

 

Pflanzenbeschreibung: Beifuß

 

 

Anna 26. Juli

 

Ist St. Anna klar und rein, wird das Korn bald geboren sein.

 

„De hoaß Anna“ wie sie im Volksmund genannt wird, leitet die kühlen Morgenstunden ein. Gern wird sie um Schönwetter angerufen. Regnete es am Annatag, brummte der Bauer: „St. Anna rengt ma in de Muaspfann!“ Folgender bäuerlicher Seufzer flog auch gerne den dunkel, aufziehenden Gewitterwolken entgegen. Heilige Muatta Anna, treib´s Weda von danna!

 

Die häufigen Gewitter, verschuldet durch die heißen Temperaturen des Tages, werden gerne auch als Hundstage, zwischen dem 23. Juli und 23. August bezeichnet. Die oft heißesten Tage des Jahres erklärten sich die Griechen folgendermaßen: Stern Sirius verstärkt die Kraft der Sonne, so entsteht die Sommerhitze. Sirius wird auch Hundstern genannt, da er als hellster Stern im Sternbild Großer Hund leuchtet.

 

Hundstage, hell und klar, zeigen an ein gutes Jahr. Wird Regen sie begleiten, kommen nicht die besten Zeiten.

 

Schon die Ägypter verehrten Sirius, zeigte er doch an, dass sich der Nil erhebt, über seine Ufer steigt, das Land überschwemmt, um es fruchtbar zu hinterlassen.

 

 

Laurentius 10. August

 

 

Alle Jahre, mitten im August, weint der Himmel. Es ist ein grandioses Schauspiel, denn in diesen Nächten fallen tausende Sternschnuppen zauberhaft vom Himmel. Es sind die glitzernden Laurentiustränen, sie drücken die Trauer über sein Martyrium aus, welches dem Heiligen wieder fahren ist.  Für das wirtschaftliche Leben der Bauern war der Laurentiustag der erste „Herbstbruder“. Er leitete den Anbau der Herbstsaat, wie z.B. den Raps ein.

 

Wir reisen nun in eine Zeitgeschichte als die Sichel noch  das übliche Mähwerkzeug darstellte.  Um 1900 hatten die bäuerlichen Gewohnheiten noch mehr mit den heidnischen Bräuchen des vergangenen Mittelalters um 500 bis 1500 n.Chr. zu tun, als dem Klerus lieb war. Als in einem Anwesen im Chiemgau der Blitz einschlug und dieses völlig niederbrannte, schrie die Bäuerin entsetz auf: „Jetzt hat da Thor eigschlong!“ Gemeint war niemand anderes als der Donnergott. Noch bis ins heutige Jahrhundert hinein hieß es, dass die Chiemgauer Bauern das Donnern als, es thart, bzw. es thort betitelten.    

 

Die Ernte zu damaliger Zeit, ist nicht mit der heutigen zu vergleichen. Viele Dienstboten waren auf den Höfen beschäftigt, alles ging händisch von statten, hilfreiche Maschinen gab es fast noch keine. Bereits vor dem Tagläuten wurde aufs Feld gegangen, beim Gebetläuten knieten sich alle nieder um den Englischen Gruß zu beten. Gebetet wurde allgemein sehr viel und nicht selten war dies eine willkommene Abwechslung, um sich ein wenig von der anstrengenden Arbeit erholen zu können. 

 

Alles Hoffen lag in der erfolgreichen Ernte, fiel diese nicht gut aus, hieß das Hunger, Krankheit und Tod. Der ganze Wohlstand hing von ihr ab. So kam die Bäuerin aus dem Haus, sobald die erste Getreideernte bevorstand, besprengte die Arntleute, das Ross und den Wagen mit Weihwasser. Der Bauer und der Goaslstiel bekam ein Sträußlein mit Rosmarin angesteckt. Wenn der Bauer die erste Fuhre heimbrachte, bekamen er und sein Pferd geweihtes Brot mit Stefanisalz. Bevor das erste Getreide eingelagert werden durfte, beteten alle wieder miteinander.  Allumfassend war auch der Glaube an den Billmesschneider, er folgte dem Wagen, um das Korn zu fressen. Zur Abwehr fuhr der Bauer die erste Fuhr arschlings hinein, nur so konnte er den Korndämon loswerden.

 

So war es auch Brauch, die erste gebundene Garbe,  die Läutgabe, dem Mesner oder auch dem Pfarrer das Zehnt, abzuliefern. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde auch dem Korngeist, gemeint war Wotan, geopfert.

 

Beim Einbringen der letzten Fuhr bekam der Bauer von der Arntbraut einen aus Ähren und Feldblumen geschmückten Kranz geschenkt. Sie dankte im Namen aller Schnitter für das gute Essen während der Erntezeit, denn in dieser Zeit musste die Bäuerin tiefer als sonst in den Schmalztopf greifen. Der Name „Schmalzwind“ spricht Bände, der Wind verbreitete den Geruch des Schmalzgebäcks rund um den Hof aus.  

 

Als die Ernte zu Ende war, musste der dicksten Gockel am Hof daran glauben, als saftiger Braten, reich geschmückt mit den ersten Birnen und Äpfel, kam er für die fleißigen Schnitter auf den Tisch. Den Bilmes stellten sich unsere Vorfahren nämlich in Gestalt eines Gockels vor, erst wenn er goldbraun gebraten und  verspeist war, galt er als besiegt, nur dann konnte er der Ernte nichts mehr anhaben.

 

So wie die Getreideernte die fundamentale Versorgung im Winter sichert, so wappnet die Ernte der Heilkräuter für kommende Krankheiten und  gegen destruktive Kräfte. Unter dem Einfluss der Sonne und des Mondes entfalten die Heilkräuter bis zum Augustvollmond, weiterhin ihre größte Kraft.  Die Schätze werden  gerne im Frauendreißiger gesammelt, das ist der Zeitraum zwischen dem 8. August bis zum 15. September. Kräuterkundige bereiten daraus  Salben, Tinkturen, Auszüge und Tees zu.  Ein aus dem Gleichgewicht gebrachten Organismus kann damit wieder in seine Ordnung gelangen. Duftende Räucherkräuter werden sorgsam getrocknet, um sie bei Bedarf zu verräuchern. Eine feine Auslese, von Region zu Region in der Wahl der Pflanzen und deren Anzahl unterschiedlich definiert, finden im Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt am 15. August ihren Platz. Oft ist es Rainfarn, Mohn, Beifuß, Eberraute, Schafgarbe, Wegwarte, Dost, Wermut und in der Mitte thronend der „Himmelsbrand“, die Königskerze.

 

 

Pflanzenbeschreibung Beifuß (Artemisia vulgaris ), Korbblütengewächse (Asteraceae)

 

 

Zahlreich sind die Arten des Beifußes, daher ist nicht gewiss um welche genaue Art es sich bei den alten Griechen handelte, wenn sie von den Heilkräften für die Frau sprachen. Bei ihnen fand dieses altbekannte Heilkraut hauptsächlich als gynäkologisches Mittel Anwendung. Schon Leonhart Fuchs (1501–1566), ein Deutscher Mediziner und Botaniker, beschrieb den Beifuß als dienliche Frauenpflanze. Das Kraut gesotten dient dem Weibe zu Dampf, denn sie treibt aus das Bürdlin  und die tote Frucht. Sie eröffnet auch die verschlossene Mutter. Dieser letzte Aspekt wird auch heute noch genauso gesehen, weshalb von sämtlichen Anwendungen mit Beifuß während der Schwangerschaft streng abgeraten wird.

 

Beifuß reguliert die Monatsblutung, lindert die Regelschmerzen, hebt die Stimmung und seine ätherischen Öle wirken keim- und pilzhemmend.

 

Bekannt ist auch der Name Johannigürtel, dieser wird aus Beifuß gebunden und um die Taille getragen. Mit vielen Wünschen bedacht, für die Gesundheit verknüpf und am Ende im Johannifeuer verbrannt. Darum ist es nicht verwunderlich, dass Artemisia auch den Beinamen Sonnengürtel trägt. 

 

In großen Beständen fühlt sich die Staude wohl, bevorzugt  Kiesgruben,  steht aber auch gerne an Wegrändern. Allergiker sollten vorsichtig sein, da Artemisia zur Familie der Korbblütler zählt und von diesen   allergische Reaktionen ausgelöst werden können.

 

Könnte der Beifuß sprechen, würde er uns sicher stolz seinen weiteren Beinamen verraten - Amazonenkraut.  Vor allem vermag er es weibliche Führungspositionen und große Aufgaben zu stärken. Genauso wichtig ist die eigene Intuition, auf sie zu vertrauen, zu Entscheidungen stehen, klar  und  konzentriert denken, all das verspricht  der Beifuß zu unterstützen. Zudem regt er die Verdauung an, fettes Essen lässt sich leichter verstoffwechseln.

 

Sein Verwandter ist der Wermuth (Artemisia absinthium L.) eines der bekanntesten Verdauungsmittel, mit einem hohen Grad an Bitterstoffen. Zusammen mit Ysop und Minze, oder Anis Fenchel und Zitronenmelisse  destilliert, erfreute sich das einstige Kultgetränk vor allem in der damaligen Intellektuellen- und Künstlerszene, nicht zuletzt wegen seiner aufputschenden Wirkung, einer sehr großen Popularität.

 

Viele Kunstwerke des 19. Jahrhunderts sind so entstanden. Einige der bekanntesten Absintheure tragen bekannte Namen, wie Oscar Wilde, Degas, Baudelaire, Rimbaud, van Chogh, Gaugin und Picasso. Das enthaltene Thujon, ein Nervengift, welches in hoher Dosis Verwirrtheit und epileptische Krämpfe auslösen kann, führte 1923 zum Verbot dieses Getränk, dessen Legalisierung 1998 allerdings in milder Form, wieder in Kraft trat.

 

Die Staude ist einheimisch und kann bis zu 1,5 m wachsen, genauso wie sie beim  Verreiben zwischen den Fingern aromatisch duftet, kann sie das auch beim Verräuchern. Dabei wirkt sie klärend, stärkend, entspannend und wärmend. Artemisia eignet sich hervorragend als Schutz- und Reinigungsräucherung. Stärkt das Selbstbewusstsein und auch die Gedankenklarheit. Zur „Mutter aller Kräuter – Kraut aller Mütter“, hat es diese Pflanze mit seiner blumigen, harzigen, Kampfer- und Menthol Note, gebracht.  In allen Kulturen spielte Artemisia eine sehr große Rolle. Der Germanische Gott Odin schenkte das Kraut, welches zudem zu den „neun heiligen Kräutern zählt“, den Menschen. Im Mittelalter setzten die Menschen das Kraut gegen Hexerei ein.  Etymologisch und mythologisch gehen Artemisia Arten auf die Göttin Artemis Eileithyia, zurück. Eine Heilgöttin, sie stand schwangeren Frauen bei. Da Beifuß den Geburtsvorgang fördert, darf er nicht im Beisein schwangeren Frauen verräuchert werden.