Die Nachtkerze und ihr Schauspiel - vom Altweibersommer und der Herbst- Tag- und Nachtgleiche

 

 

Der Altweibersommer und die  Herbst – Tag – und Nacht Gleiche

 

 

Pflanzenbeschreibung: Nachtkerze (Oenothera biennis), Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

 

 

 

Schnell noch das Gesicht genussvoll in Richtung Sonne drehen, um ihre letzten Strahlen einzufangen! Der Sommer packt nämlich gerade seine  Koffer und geht auf Reisen. Der September ist dennoch für viele der schönste Monat im Jahr, die große Hitze ist vorbei, die Nächte zwar schon kühl, dafür die Tage angenehm warm und in ein ganz besonderes Licht getaucht.  Als Altweibersommer wird er oft bezeichnet, mit „alten Weibern“ hat dieser Begriff allerdings reichlich wenig zu tun. Vielmehr sind die Spinnenfäden gemeint, welche um diese Jahreszeit ganz besonders geheimnisvoll im morgendlichen Tau glitzern und am Tag durch die Luft schweben, um die winzigen Jungspinnen zu ihrem neuen Lebensraum zu transportieren. Das Wort kommt demnach von „Weiben“, ein alter Begriff für das „Weben“, eine Kunst, welche die  Spinne  in Perfektion beherrscht.      

 

Die Vegetationsperiode geht zu ende, Nebelschwaden liegen über den Feldern. Die Früchte des Sommers sind saftig, süß und die Kräuterernte neigt sich dem Ende zu. Dafür kann die Wurzel- und Wildfrüchteernte beginnen. Schlehe, Holunder, Weißdorn, Eberesche, Sanddorn und Hagebutte leuchten uns entgegen und fordern uns zum Sammeln auf. Nicht nur für den Gaumen und die Gesundheit sind die Vitamin Kraftprotze eine Bereicherung,  hervorragend lassen sie sich auch für Räuchermischungen trocknen.

 

Unter anderen sorgen Astern, Dahlien, Fetthenne, manche Rosen, einschließlich der Herbstzeitlosen und Anemonen für die letzten blumigen Farbakzente dieser Jahreszeit.   

 

Im Gegensatz zur Frühlings – Tag und Nacht – Gleiche am 20 März, sie, erzählt von Neubeginn und Aufbruch ihre Geschichte, bekommen wir das Gegenteilige von der Herbst – Tag und Nacht – Gleiche zu hören. Abschied, Dunkelheit, Kälte, aber auch Sättigung und Abschluss passen ganz gut als  Inhaltsbeschreibung. Licht und Dunkelheit hält sich am 22. September, die Waage, dies drückt sich auch im Tierkreiszeichen Waage aus, es nimmt am 23. September seinen Platz im Jahreskreis ein.

 

Manchen Menschen fällt es schwerer sich von der Leichtigkeit des Sommers zu verabschieden, das Leben findet wieder mehr in den Räumen statt, vielleicht vermissen viele jetzt schon die Geselligkeit  und das viele draußen sein. 

 

Schnell noch drehen die Wespen und Hornissen ihre letzten Runden,  die Hirsche  beginnen mit der Brunft, das erste Laub verfärbt sich, den Tieren wächst das Winterfell und die Zugvögel machen sich auf ihre lange Reise.

 

In zahlreichen Erntedankfesten kommen die Freude und die Dankbarkeit über die Gaben der Natur zum Ausdruck.

 

Weinfeste, Kirchweihfeste, Bauern und- Kirtag Märkte lassen die Menschen zusammenkommen, Austausch, Gaudi und ein Ratsch ist dort immer erwünscht und möglich. Ein wichtiger Tag im Brauchtum ist der 29 . September, der Michaelistag, um  diese Zeit herum  wird das Weidevieh von der Alm heimgebracht. Bunt bekränzt tritt das Vieh den Heimweg zum Stall nur dann an, wenn kein Unglück auf der Alm vorgefallen ist. Sogenannte Klagen Kränze, oder gar keinen Schmuck, tragen die Tiere bei einem Todesfall auf dem Hof.

 

Die Zeit um die Herbst – Tag und Nacht - Gleiche  lädt ein, zu sinnieren, was ist gekommen? Was ist gegangen? Vor allem aber, was nehme ich mit in den nächsten Zeitzyklus?

 

Frau Holle oder Holla, im Alpenvorraum die Frau Percht genannt, einst mächtige Göttin im mitteleuropäischen Raum, lehrte der Mythologie nach den Frauen das Weben , damit war auch das Spinnen und Verweben der Schicksalsfäden gemeint. Im Märchen Frau Holle erntet das fleißige Mädchen die Äpfel, die Apfelernte steht für den Herbst – Herbst ist Leben, das in die Tiefe geht. 

 

In vorchristlicher Zeit war der 29. September ein Thingtag, (Gerichtstag, Volksversammlungstag) der Germanen, ein Tag des Schlachtens und ein Opfertag für Wotan ( = Odin). Papst Gelasius erklärte im Jahr 493 den 29. September zum Ehrentag aller Erzengel, Michael allen voran. Die Bauern luden nun zur „Michlgans“ oder zum „Lichtbratl“ ein, denn ab diesen Tag wurde die Arbeit bei künstlichem Licht eingeläutet, die Kerze wurde gegen die Macht der zunehmenden Dunkelheit entzündet.   

 

Liest man alte Berichte, haben heutige Kirchweihfeste den Zauber der damaligen Zeit verloren. Der Kirchweihmontag ist kein Feiertag mehr und auf den Speisekarten der Lokale findet man nur noch selten Enten- oder Gänsebraten. So manche Bäuerinnen beherrschten viele verschiedenen Nudelformen, welche sie in rauen Mengen am Kirchweihsamstag im schwimmenden Fett ausbuken. Von der Zwetschgenbavesen, Apfelküchal, Hasenöhrl den Ausgezogenen und den Krapfen, alle diese Schmankerln türmten sich in der Küche hoch auf. Um Mitternacht musste Schluss mit dem  umtriebigen Backkünsten sein. Jeder der die Bäuerin dabei erwischte, durfte sonst seine Heugabel zum Küchenfester hinein reichen  und sie musste jeden Zinken bis zur Spitze mit dem Schmalzgebäck auffüllen. Die armen Seelen bekamen die erste Nudel, sie wurde in das Feuer geworfen, eine Hand voll Mehl flog zum Fenster hinaus, die Opfergabe für die Hex oder die Frau Percht war somit besiegelt.

 

Die entfernteste Verwandtschaft wurde zu diesem Festmahl eingeladen, der Bauer übernahm die Einladung aller „Gfreundt“, einschließlich die des Gondls, höchstpersönlich. Eine Ehre je mehr um den Tisch herum saßen. In den zwanziger Jahren dauerte Kirchweih sogar von Samstag bis zum Dienstag an.

 

Die Zeit der Ernte ist in vollen Gang, auch die Apfelernte – der Apfel symbolisiert die Lebensernte. Die Kelten nannten ihr Jenseits Avalon – Apfelland. Im christlichen Glauben wird dieser Jahresabschnitt mit dem Erntedankfest gefeiert. Mit dem Erntesegen in den Abschied gehen.

 

 

 

Nachtkerze (Oenothera biennis), Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

 

 

 

Haben Sie Lust auf ein kleines Schauspiel? In der Hauptrolle spielt die gelbe Nachtkerzenblüte. Ihr wunderbarer Auftritt dauert circa 15 Minuten. Bei Dämmerung beginnt die fließende  Entfaltung und ihre Staubbeutel öffnen sich zur vollen Pracht, das Tor ist offen. Nachtaktive  Insekten, vor allem Falter fühlen sich ganz besonders von dem intensiven, süßlichen Duft angezogen. Auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit haben Einfluss auf diesen Vorgang. Ist die Blüte erst einmal geöffnet,  startet sie ihren zweiten Turbolader – den Duft! Innerhalb einer halben Stunde kommt er voll zu Geltung,  eine Nacht und bis zum nächsten Mittag circa, beleibt die Blüte geöffnet, schließt sich dann und welkt. Sie muss also schnell sein, denn in diesem Zeitraum soll die Bestäubung vollzogen sein.

 

Große Ansprüche stellt der Neophyt, welcher bereits Mitte des 18 Jahrhunderts als Unkraut bezeichnet wurde nicht, er pflanz sich praktisch von selbst an. Winzige Samen fliegen mit dem Wind aus der Kapsel, sobald die ganze Pflanze abgestorben ist. Der Keimling bildet im ersten Jahr eine Blattrosette aus, damit sammelt der Sonnenkollektor Energie, im zweiten Jahr wächst daraus ein bis zu zwei Meter langer Stiel. Immer wieder produziert Oenothera von Juni bis September neue Blüten. Wurzel, Blätter, Blüte und Samen, sind essbar. Die Wurzel schmeckt allerdings nur im ersten Jahr, kann wie die Schwarzwurzel zubereitet werden und trägt den Beinamen Schinkenwurzel, da sie beim Erhitzen rosa wird. Die Samenstände können zwischendurch genascht werden, aus den darin enthaltenen Samen, wird ein Öl gewonnen – das Nachtkerzenöl.

 

Schon die nordamerikanischen Indianer bauten diese Pflanze großflächig an, um Öl  für  Heilmittel zu gewinnen.  In der Naturheilkunde wird es nicht nur bei Neurodermitis empfohlen, auch die Folgen von Diabetes, Migräne, Rheuma und Asthma werden damit erfolgreich behandelt. Ein Sirup daraus soll bei Husten helfen, das Öl in pflegende Cremen eingearbeitet ist ein Schatz für unsere Haut.  Innerlich eingenommen gleichen wir damit unseren Omega – 6- Fettsäuren Haushalt aus.

 

Das pure Nachtkerzenöl ist sehr teuer, die Pflanze selbst finden wir jedoch in großen Beständen. Daher gibt es eine einfache, aber wirkungsvolle Rezeptur, um ein Öl herzustellen, ganz ohne Ölpresse.

 

 

 

Rezept: selbstgemachte Nachtkerzenöl

 

 

Zur Ölgewinnung aus Nachtkerzensamen brauchen sie lediglich einen Mörser und ein Basisöl.  Zum Beispiel Jojoba- oder Mandelöl. Am besten sammelt man die Nachtkerzen, wenn sie beginnen zu verblühen, aber noch bevor sich ihre Samenkapseln öffnen. Diese an einem warmen Ort trockenen lassen. Nach und nach werden die Samenkapseln braun und sind bereit zur Verarbeitung. Die Samen in den Mörser geben und zu einem Pulver verreiben, dann ein gewünschtes Öl dazugeben und weiter verreiben. Die Ölmischung in einem Glas circa zwei Woche ruhen lassen, dann abfiltern. In ein dunkles Fläschchen füllen, das Etikett mit Datum und Inhalt versehen.  Sie können es direkt auf die Haut auftragen oder in Pflegeprodukte mit einarbeiten.

 

 

 

Mein Tipp: Rotkleeblüten Öl hat auch sehr positive Wirkungen auf unsere Haut und passt hervorragend  zu Nachtkerzenöl – beide Ölauszüge lassen sich wunderbar mischen.