De schene Zeit vor Weihnachten - alte Geschichten aus dem Chiemgau

 

 

De schene Zeit – Geschichten aus dem Chiemgau

 

 

 

 

 

Eine Gewohnheit ist er, stetig gewachsen zu einer festen Tradition – die Rede ist vom Brauchtum. Alle Bräuche in einer Volksgruppe, einer sozialen und kulturellen Gemeinschaft,  oder eines ganzen Volkes, nennen wir Brauchtum. Dass sich diese Sitten im Lauf der Jahrhunderte wandeln, ist nachvollziehbar.   Andere wiederum geraten völlig in Vergessenheit, oder entstehen neu. Aktuell zeichnet sich die Auflösung von Riten immer mehr ab, denn in unserem sogenannten modernen Leben ist der Stellenwert für gelebte Traditionen nicht mehr so hoch wie in früheren Zeiten. Es wird immer schwieriger, diese in den Alltag zu integrieren. War früher der Namenstag dem Geburtstag übergeordnet, fällt diese Gratulation heute weg. Wir avantgardistischen Menschen befinden uns in einer aufgeklärten Zeit, Informationen und wissenschaftliche Meinungen können wir jederzeit und überall abrufen.  Wir haben uns vom Hexen- und Geisterglauben des Mittelalters völlig befreit – hoffentlich nicht auch bald vom Brauchtum.

 

Mit den Attributen Sinn-, Identitäts- und Integrationsstiftung, lässt sich  der Begriff Brauchtum sehr gut definieren. Vor allem für Kinder ist die erlebte Erfahrung im Umgang mit Traditionen  von unschätzbarem Wert. Es verleiht ihnen ein Gefühl von Geborgenheit, Regelmäßigkeit und Sicherheit. Ihre Verwurzelung kann dadurch gestärkt werden, um  so  die großen Herausforderungen der aktuellen Zeit besser bewältigen zu können.

 

Kennen Sie noch den Brauch, an Silvester punkt Zwölf, die Tür sperrangelweit aufzumachen, um das alte Jahr ausziehen zu lassen? Auch Brot und Salz wurde fürs neue Jahr auf den Tisch gelegt, mit der Hoffnung verknüpft, keiner unter dem Dach möge in den kommenden zwölf Monaten Hunger leiden. Sogar auf das Hausdach trauten sich einige in der alten Nacht des Jahres zu kraxeln, andere wiederum setzten sich an einen Kreuzweg,  im festen Glauben daran, einen Blick in die Zukunft wagen zu dürfen.

 

Mit dem 30. November, dem Andreastag, begann früher im Bauernjahr der Winter. Eine wichtige Löslnacht, also eine Nacht in der das Los  befragt wurde, und zwar zum Allerliebsten. Für die Mädchen damals gab es kaum etwas interessanteres als zu erfahren wer ihr Zukünftiger wird. Alte Überlieferungen zufolge, befragten schon die Germanischen Mädchen, in der Nacht der Hertha, die Göttin um ihr Schicksal.

 

Nicht selten stiegen die heiratswilligen Mädchen in der Andreasnacht rückwärts in ihr Bett und das noch um 1850 herum. Mit einem Mantra ähnlichen Spruch, zogen sie sich die Bettdecke über den Kopf.

 

 

Lass mir erscheinen den Liebsten meinen,

 

in meiner Gewalt, in seiner Gestalt,

 

wie er geht, wie er steht,

 

wie er mit mir vor dem Altar hingeht.

 

Lass ihn erscheinen bei Bier und Wein, soll ich mit ihm glücklich sein.

 

Lass ihn erscheinen bei Wasser und Brot, soll ich mit ihm leiden Not.

 

 

 

Der Name  Franz Xaver, steht am 3. Dezember im Kalender. Mit Kannen und Flaschen ausgestattet gingen früher die Menschen in die Kirche, um sich ihr Xaveriwasser zu sichern. Dieses nahmen die  Menschen zu sich, gleichermaßen bekam auch das Vieh davon und das manchmal gleich literweise, wie ein alter Bauer aus Seeon noch zu berichten wusste. Die Nachfrage nach diesem Wasser war teilweise so immens, dass es in einer großen Wanne geweiht wurde, damit alle Gläubigen auch ja genug davon abbekamen.

 

„Geht die Barbara im Grünen, kommts Christkindl im Schnee“.  Der heiligen Barbara wird am 4. Dezember gedacht. Das arme Mädchen musste wegen ihres christlichen Glaubens ihr Leben lasse. Ihr Vater, ein vornehmer Heide, ließ das Mädchen währen seiner Reisen in einem Turm einsperren, um es so vor dem Einfluss christlicher Ideologien zu schützen. Die Taufe seiner Tochter konnte der Vater aber nicht verhindern. Als er dies erfuhr tötete er seine Tochter in seinem Fanatismus.

 

Die Heilige zählt zu den 14 Nothelfern, von vielen Berufsständen , wie den Zimmerleuten, Glockengießern, Maurern, Schmieden, Bergleuten,  sowie von allem Gewerbe, welches mit Sprengstoff in Verbindung stand, wurde sie verehrt und angerufen. Nicht verwunderlich, dass Kanonen einst ihren Namen trugen.

 

Der Barbaratag war der früher Militärmusterungstag, durch das Losen konnte sich derjenige glücklich schätzen, welcher eine hohe Nummer zog, und sich so vom Militärdienst „freigelost“ hatte.

 

In den sogenannten Blitzkapellen riefen die Gläubigen ihre Barbara an, denn die St. Barbara mit dem Stein hält den Hagel ein.  Neben dem heiligen Florian gilt sie als Schutzpatronin gegen das Feuer, welches Haus und Hof gefährlich werden konnte. Hilfesuchend beteten die Fiebrigen und schwer erkrankten Barbara an sie zu heilen.

 

Am 4. Dezember wir der Barbarazweig gebrockt. Dieser Brauch wird auch heute noch in vielen Familien praktiziert. Die neue Blätter- und Blütengeneration steckt bereits in den Knospen, die ihren  Zauber passend zu Weihnachten verströmen. Dafür eignen sich die frühblühenden Bäume und Sträucher, wie zum Beispiel Apfel, Kirsche oder Schlehe.  

 

 

Nicht nur für die Stube wurde ein Zweigerl gebrochen, auch im Stall kam eine Vase mit Wasser mit dem Segensbringer. Je reicher die Blütenpracht an Weihnachten ausfiel, desto größer das Glück für das Haus, die Menschen und das Vieh. Und aufgepasst, die Wünsche, welche beim Brechen des Zweiges gedacht und für sich behalten werden, gehen in Erfüllung.

 

Von den Kindern sehr geliebt, ist der Heilige Nikolaus. Die Beliebtheit erkennen wir schon allein daran, dass sich seit Generationen kaum etwas an diesem Brauch geändert hat. Was viele vielleicht nicht wissen,  der Nikolaustag vom 5. auf den 6. Dezember, war damals alleiniger Geschenktag in der Weihnachtszeit. Auch heute wird dieses wichtige Ereignis unterschiedlich zelebriert. Ob er direkt ins Haus kommt, ob Teller nach draußen gestellt, oder Stümpfe vor die Tür gehängt werden, das ist von Region zu Region und Familie zu Familie unterschiedlich.  

 

Um die Jahrhundertwende ritt der Nikolo mit seinem Schimmel und einem prächtigen Mantel  von Haus zu Haus. Kein Mensch war draußen, „der Heilig reit“, flüsterten drinnen die andächtigen  Stimmen. Oder, „seids stad“ da Nikolaus reit vorbei. So versuchten die Eltern die aufgeregten Kinder zur Ruhe zu ermahnen.  Da der Heilige Nikolaus als Schutzpatron der Schiffer, Flöße und Fischer  gilt, führt seine Verehrung vor allem an Orten in Flussnähe, bis ins 12. Jahrhundert zurück. Auch die Salzschifffahrt auf der Salzach und auf dem Inn unterstand seinem Schutz.

 

 

Die Verehrung des Heiligen als Patron der Rösser geht bis in die Christianisierung zurück, die Bauern führten ihre Pferde am 6. Dezember zu den Nikolauskirchen und -kapellen.

 

St. Nikolaus hat sich für die Armen eingesetzt. An diese gute Tat angeknüpft, verteilten viele Klöster Essensspenden an die Bedürftigen.

 

 

D´Luzia geht um – und zwar am 13. Dezember! Mitten im Advent begegnet uns die heilige Luzia. Keine freudige Erscheinung, eher ein Kinderschreck und auch alle diejenigen fürchteten sich vor ihr, welche an sie glaubten. In der Nacht schlich sie um die Häuser, um nach herumstreunenden Gassenkinder Ausschau zu halten. So aus alten Berichten von Bäuerinnen aus dem Chiemgau. 

 

„Die Leuchtende“ wird ihr Name übersetzt, eigentlich hat sie nichts von einer Schreckensgestalt. Sie soll als Kind einer vornehmen Familie im Jahr 286 geboren worden sein. Während der Christenverfolgung kümmerte sie sich um die Verfolgten in ihren unterirdischen Verstecken. Um die Hände frei zu haben, setzte sie sich einen Kranz mit Kerzen auf. Als sie ihre Verlobung mit einem reichen Mann ausschlägt, verrät dieser sie, darauf folgt ihre Hinrichtung. Es heißt, Luzia kündigt das Licht an.

 

 

Und was wäre die Vorweihnachtliche Zeit ohne die Klöpflnächte? Diese Tage finden zwischen der Andreasnacht am 30. November und Thomasnacht am 21. Dezember, der Wintersonnenwende statt. Ab der Thomasnacht heißt es, wächst der Tag um einen Hahnenschrei.

 

Bis zur Unkenntlichkeit verkleidet gingen einst die armen Leute, von Hof zu Hof, um ihr karges Leben beim klöpfeln ein wenig aufzubessern. Am dritten Donnerstag wurde die Klöpflnacht ungemütlich, diese Nacht war ein Lostag, ein Perchttag in der sich der Leibhaftige gern unter die Gruppe mischte. 

 

 

In der Vergangenheit verschwunden ist der schöne vorweihnachtliche Brauch des Adventsingens. Heute kennen wir das Adventsingen in Kirchen oder in großer Gemeinschaft. Früher jedoch, kamen die Familien zusammen, trafen sich in  den Stuben und auf den Höfen zum gemeinschaftlichen Singen. Viele Weisen und Melodien wurden von Familie zu Familie überliefert und gesammelt, heute sind diese zum Großteil in Vergessenheit geraten.

 

Im Advent wandert die Muttergottes, um Herberge für sich und ihr Kind zu suchen. Die Mutter stellte für die heilige Wanderin ein Schälchen mit Milch auf den Tisch, ein Löffel lag daneben. Sobald es dämmrig wurde, kam das Anzünden der Herbergsleuchte dazu. Das Licht ins Fenster gestellt, um Josef und Maria die Herbergssuch zu erleichtern. Die Aufgabe der Kinder bestand darin, ins Fensterkreuz Heu, für Ochs und Esel zu stopfen.  

 

Vor dem Schlafen gehen, versammelte sich die ganze Familie für das Abendgebet vor der Herbergsleuchte, davor zierten kleine Figuren von Maia und Josef den Altar. Nach dieser feierlichen Andacht wurde das Herbers Lied gesungen.

 

 

 

Steffl, du Schlofhaum,

 

geh, heb die aus deim Nest,

 

is grod a Buawei herinna gwen,

 

Des hod sie umdo und seine Flügerl draht,

 

Grad, wia da Wind d´Laba vom Bam obawaht.

 

Liebsta Josef, lass uns geh,

 

lass uns nach ona Herberg seng.

 

I glab, es kimmt mei schware Zeit und da Weg is no so weit.

 

 

 

 

 

-  Schöne vorweihnachtliche Zeit -