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Die Kunst des Destillierens

MIT DÜFTEN AUS DER NATUR WOHLBEFINDEN schaffen

 

Wir stellen ätherische Öle und Hydrolate aus Blüten, Blättern, Zitrusschalen, Samen, Wurzeln und Harzen her – wie funktioniert eine Destille?

Vorgestellt von Kräuterexpertin Andrea Illguth

Mögt ihr den Geruch von Heu? Augen zu – was für ein Gefühl breitet sich in euch aus, wenn ihr an einem lauen Sommerabend den Duft von frisch gemähtem Heu einatmet? Fehlt nur noch das musikalische Zirpen der Grillen – es scheint wie inszeniert, wenn sie perfekt zum Sommernachtstraum geigen. Ich kann mir vorstellen, die meisten nehmen diesen altbekannten Geruch wohlwollend wahr. Sogleich breitet sich ein entspanntes Gefühl in uns aus. Die Lungenflügel werden weit, sogar das Gehirn reagiert auf diese feinen Moleküle und sendet Glücksgefühle in all unsere Zellen.

Der Grund für diese Empfindungen hat einen Namen – Cumarin. Gelangt es in Form von Duftmolekülen in unser Riechhirn, das limbische System, kann es uns beruhigen, Krämpfe lösen sowie wach und glücklich machen. Der sekundäre Pflanzenstoff kommt vermehrt im Waldmeister, Zimt, Steinklee, aber auch in Gräsern vor. Dieser kleine Duftstoff beginnt allerdings erst zu wirken, wenn die Pflanze welkt oder zerstört wird.

Kräuter, Blumen, Sträucher und Bäume – ihre Blüten, Blätter, Samen, Wurzeln und Harze – sind randvoll mit diesen duftenden Substanzen. Meist sind es ihre ätherischen Öle, die uns auffällig in die Nase steigen.

Tatsächlich unterschätzen wir unsere Menschennase sehr. Dabei wirkt unser Geruchssinn direkt auf das limbische System, das sogenannte Riechhirn. Immerhin ist es eine der ältesten Regionen unseres Gehirns – es ist für die Entstehung von Gefühlen sowie für die Bildung bestimmter Hormone zuständig. Durch einen elektrischen Umwandlungsprozess können körpereigene Botenstoffe ausgeschüttet werden. Kakao- oder Vanilleduft lässt zum Beispiel Serotonin ausschütten, Grapefruitduft Endorphine. So schenken uns Düfte nicht nur psychisch, sondern auch körperlich wohltuende Wirkungen. Sogar als sanftes Heilmittel werden sie eingesetzt. Dieses Wissen um die Heilkraft der Naturdüfte und der Kräuter ist unglaublich alt. Die ersten Aufzeichnungen reichen über 5000 Jahre zurück.

Schon unsere steinzeitlichen Vorfahren verbrannten Harze und getrocknete Pflanzen. In ihren Ritualen wollten sie dadurch die Götter gnädig stimmen, aber auch zur Heilung und zum Desinfizieren galt der Rauch als äußerst wirkungsvoll. Sogar beruhigende oder anregende Wirkungen beobachteten die Heiler im Rauch.

Bereits die alten Ägypter verstanden sich sehr gut auf die Kunst des Destillierens. Dabei spielten ätherische Öle bei ihren Bestattungspraktiken eine wichtige Rolle. Die Körper der Toten, zunächst mit Harzen balsamiert, sowie die Tücher, in denen sie eingehüllt wurden, mit Weihrauch- und Myrrheölen getränkt, verhinderten den Zerfall. Duftende Salben aus zerstampften Blüten und Mineralien, in Tierfett eingelegt, dienten nicht nur der Schönheitspflege, sondern auch als Medizin.

Auch gesellschaftlich spielten Düfte eine bedeutende Rolle. Es heißt, Kleopatra ließ die Flügel ihrer Palasttauben mit duftendem Puder bestäuben, sodass die Vögel durch die Hallen segelten und mit jedem Flügelschlag feine Duftnuancen verbreiteten. Als Mark Antony mit seinem Schiff im Hafen von Alexandria einlief, erwartete ihn ein wahres Duftkonzert. Die schönste Frau ihrer Zeit war eben nicht nur schön, sondern auch äußerst raffiniert: So ließ sie die Segel ihrer Flotte mit betörenden Parfümölen einpinseln.

Im Land der Pharaonen entwickelte sich rasch eine hochgeschätzte Aromamedizin und Duftkultur. Duftstoffe waren im alten Ägypten wertvoller als Gold und Silber, denn der Glaube, dass sie einen Hauch des ewigen Lebens in sich tragen, war allgegenwärtig. Im Tempel von Edfu befinden sich auch heute noch alte Rezepturen heiliger Salböle, aufgemalt auf uralten Wänden.

Großen Bekanntheitsgrad erlangte der englische Arzt und Astrologe Nicholas Culpeper in Bezug auf die Heilwirkung von Kräutern und ätherischen Ölen. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften zu diesem Thema.

Den Begriff Aromatherapie prägte der französische Chemiker René-Maurice Gattefossé, der sich intensiv mit Pflanzenessenzen beschäftigte. In seinem Buch „Aromatherapie“ veröffentlichte er seine Erkenntnisse über deren Heilwirkungen.

Hanns Hatt, einer der bekanntesten Duftforscher unserer Zeit, veröffentlichte beeindruckende Studien über Duftrezeptoren in der Nase und deren Wirkung im gesamten Körper.

So sind ätherische Öle in der Aromatherapie in der Lage, vor allem bei psychosomatisch bedingten Beschwerden wie Schlafstörungen, Verstimmungen, Nervosität oder Stress Linderung zu verschaffen. Auch als unterstützende Heilmittel bei Erkältungen, Wechseljahresbeschwerden oder Magen-Darm-Problemen sind sie anerkannt.

Die Praktiken zur Herstellung ätherischer Öle und Hydrolate haben sich bis heute in vielerlei Hinsicht verfeinert. Gleichzeitig ist es jedoch einfacher geworden, Düfte synthetisch herzustellen. Diese Produkte sind zwar günstig, besitzen jedoch keine vergleichbare Wirkung. Aufgrund ihrer komplexen Zusammensetzung lassen sich natürliche Düfte nicht vollständig künstlich nachbilden.

Heute stellen wir uns der spannenden Aufgabe, die Geheimnisse der Gerüche zu entschlüsseln und sie gezielt zu extrahieren. Genau aus diesem Grund widmen wir uns einem besonderen Verfahren – der Wasserdampfdestillation.

Destillieren ist ein Handwerk, das gelernt sein will. Die Ausbeute hängt von den verwendeten Pflanzen, dem passenden Gerät und der Erfahrung ab. Je mehr wir über den Prozess wissen, desto feiner und hochwertiger werden unsere Produkte. Es ist eine Kunst, den Pflanzen ihre nicht wasserlöslichen Stoffe – die ätherischen Öle – sowie ihre wasserlöslichen Bestandteile – die Hydrolate – zu entlocken.

Alle wichtigen Tipps zum Thema Destillieren von Kräutern lernt ihr in meinen Kursen.

Hier gelangst du direkt zu meinen Kursen:

 Naturkosmetik und Destillieren